USA - Harley-Davidson:
Model 125         1948-1952
Model 165         1953-1959
Hummer           1955-1959
Super 10           1960-1961
Pacer                1962-1965
Scat                  1962-1965
Ranger              1962
Bobcat              1966

Deutschland DKW:
RT 125 W            1949-1952
RT 125/2              1952-1954
RT 125/2H           1954-1957

UdSSR Staatliche Industrie:
MOCKBA-M1A        1946-195?

Japan Yamaha:
YA-1                1954-19??


England B.S.A.:

Alle vom Typ "Bantam"
D1                  1948-1963
D3 Major         1954-1957
D5 Super        1958
D7                   1959-1966
D10                 1966-1967
D14/4              1968-1971
D175               1968-1971

    RT 125 Verwandtschaften

    Aus der DKW MOTORRAD POST des DKW Motorrad Club / Harley Hummer Club von David M. Hennessey
     

    Die DKW RT 125, die von 1939 bis 1944 hergestellt wurde, ist der Ahne vieler Motorräder, die in aller Welt gebaut werden. Ende des 2. Weltkrieges kam die Herstellung zum Stoppen, und zwar als sich die Alliierten das Design des ultra-effizienten DKW 2 Takter Motors zu eigen machten. Als die DKW 1949 ihre Motorrad-Produktion wieder aufnahm, fingen Firmen in den USA (Harley-Davidson), England (Birmingham Small Arms), die Sowjetunion (staatliche Industrie) und Japan (Yamaha) damit an "Kopien" der DKW RT 125 zu vermarkten.


 

    Die B.S.A. Bantam "D1" wurde 1948 als 125-er cc Maschine eingeführt. Nachdem britische Zoll-Spezifikationen das Bremspedal auf der linken Seite und die Kupplung auf der rechten Seite vorsahen, hat B.S.A. sofort die RT 125 Motorteile, inkl. 'magneto-generator', in umgekehrter Reihenfolge angebracht.
    Ab 1949 gab es eine Hinterradfederung. Dies wurde so erreicht: der hintere Reifen wurde zwischen zwei Druckfedern an jeder Seite angebracht, im Grunde so, wie bei den Indianer-Rädern in den USA. 1956 wurde das alles andere als zuverlässige "plunger-System" durch ein konventionelles Schwingarm-Design ersetzt.
    Das D3 Modell hatte einen 148cc Motor, der 5.3 bhp leistete. Spätere Modelle waren 173cc und liefen von 7.4 bis 12.6 bhp. Die D10 Serie umfasste vier Modelle: die D10 Supreme und D10 Silver hatten die traditionellen 3 Gänge, während die D10 Sports und D10 Bushman von einem 4. Gang profitierten. Bei sämtlichen D14/4 und D175-er Modellen blieb es beim 4. Gang. Die D10 und D14/4 Bushman Modelle waren als Gelände-Maschinen designed, und somit Vorläufer der modernen 'trail-bikes'.

Über die Yamaha YA-1 weiß man nicht viel. Mehrere Anfragen des Autors an die Yamaha-Gesellschaft blieben unbeantwortet.
 
Die Sowjetunion kam 1946 mit dem ersten RT 125-Abklatsch auf den Markt. Das erste Modell (abgebildet) hat einen massiven Schwingarm. Dies wurde bei späteren Modellen durch eine teleskopische Einheit ersetzt. Leider ist die Geschichte der M1 A nicht ganz bekannt. Es wird vermutet, dass die MOCKBA-M1A's bis in die frühen 50-er Jahre nur als 123-er Modelle produziert wurden.

1948 hat Harley-Davidson die 125-er Maschine, eine virtuelle Kopie der RT 125, in den USA eingeführt. 1952 wurde 'girderstyle front fork' durch eine hydraulische Einheit ersetzt. 1953 folgte das Modell 165, das bis 1959 gebaut wurde.
Dann aber kam man der Nachfrage auf die kleinere, leichtere und sparsamere 125cc-Maschine mit einem neuen Motor-Design nach: die Hummer nach Dean Hummer benannt. Der Harley-Davidson Händler hatte in früheren Jahren die meisten leichten Maschinen verkauft. Die Hummer wurde von 1955 bis 1959 produziert. Der Name 'Hummer' kam gut an und wird selbst heute noch (falscherweise) von Leuten benutzt, um alle verwandten Modelle zu beschreiben.
1948 H-D Model) 125 Die Super-10 wurde 1960 und 1961 hergestellt und besaß fast alle Merkmale des 165-er Modells. Der 165-er Motor aber war eine vergrößerte Version des Motors, der in der Hummer benutzt wurde.
1962 wurde der Ersatz für die neuen Pacer und Scat Modelle auf 175cc erhöht. Die Pacer war wie ihre Vorläufer eine Straßenmaschine. Die Scat aber wurde für Gelände-Benutzung konstruiert. Das zweite Gelände-Modell, die Ranger, wurde nur 1962 hergestellt, war aber eine 165cc Maschine, die wahrscheinlich gemacht wurde, um bestehendes Inventar einsetzen zu können.
 
1963 wurden die Pacer und Scat-Modelle mit hinterer Federung ausgestattet. Ein ungewöhnliches Design, ganz anders als die typische Schwingarm-Federung, die von den meisten Herstellern benutzt wurde. Sowohl Pacer als auch Scat wurden bis Ende 1965 hergestellt.
1966 tauchte die Bobcat mit ihrer ungewöhnlichen Fiberglas-Karosserie auf. Der Umsatz war allerdings von über 10,000 (1948) auf 1155 (1966) geschrumpft und die Produktion Modells wurde eingestellt.

Der Harley-Hummer-Club fördert die Erhaltung und Restaurierung der `leichten' Harley-Davidson Motorräder. Zusätzliche Info über die Hummers und ihre "Verwandten" gibt es hier: www.harleyhummerclub.org . Wir möchten gerne noch mehr über die leichten DKW Maschinen erfahren. Wird sind insbesondere an Fotos und historischer Literatur interessiert.

David M. Hennessey, The Harley Hummer Club

 


 

Als Ergänzung hier noch eine Zuschrift, die uns aus Russland erreichte:
Die Bilder sind hier als PDF-File (Zuschrift MIT Bildern) anzusehen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich interessiere mich sehr für klassische Motorräder und war sehr froh, eine interessante Website über die DKW-Motorräder im Internet zu entdecken. Jedoch muss ich eine Bemerkung zum Inhalt des Abschnitts “Technik & Infos” machen.
In Ihrem Artikel über die DKW-Abkömmlinge haben Sie ganz ausführlich die amerikanischen und englischen Kopien der berühmten RT-125 beschrieben. Und dabei nur ein kurzer Absatz über eine DKW-Kopie aus der Sowjetunion: die Moskwa M1A. Haben Sie so wenig aus Platzmangel geschrieben, oder haben Sie wirklich keine ausreichenden Informationen? Im letzteren Falle erlaube ich mir, Ihnen einen kurzen Überblick zu diesem Thema beizutragen:

Die M1A war zwar tatsächlich die erste “russische” DKW, doch bei weitem nicht die letzte und nicht die einzige. Wenn wir schon mal über die RT-125 sprechen, dann soll zuerst erwähnt werden, dass dieses, ähnlich wie in England und Amerika, als Kriegsbeute erworbenes Leichtkrad nur kurzfristig in einem der Moskauer Automobilwerke produziert wurde. Schon im Jahre 1948 wurde die Produktion, samt den aus Deutschland gebrachten Produktionsanlagen nach Minsk (heute Hauptstadt von Weißrussland) verlegt. Dort hat man auf der Basis einer ehemaligen Fahrradfabrik die Minsker Motorrad- und Fahrradwerke gegründet, die die RT-125 noch bis heute als Ausgangspunkt aller Modellen-Evolution bewährt. Die heutigen Minsker Motorräder (die unter der Marke Motovelo auch in Deutschland vermarktet werden) sind immer noch 125-er, deren Motor zwar stark modifiziert, doch im Grundaufbau (Bohrung/Hub- und Kurbelwellenabmessungen) dem Vorkriegsprototyp identisch ist.
Gleichzeitig mit dem Beginn der Produktion der Moskwa M1A, also im Jahre 1946, hatte sich die sowjetische Regierung entschlossen, die Maschinengewehrfabrik in Kowrow (Vladimirer Gebiet) auf Zivilproduktion umzurüsten. Waffen und Motorräder passen schon überall irgendwie zueinander (z.B. die BSA war ursprünglich auch eine Waffenfabrik), so nahm man auch dort die bewährte RT-125 in die Produktion. Das erste Modell, die K-125 war eine exakte DKW-Kopie und wurde bis 1952 unverändert produziert. 1952 bekam die K-125 eine Teleskopgabel, 1956 wich der Starrahmen einem mit Hinterradschwinge, 1957 tauchte das erste 175-er Modell mit stark überarbeitetem, 8 PS leistendem Motor, Vierganggetriebe und 16-Zoll-Rädern auf. Die 125-er Modell K-58 wurde noch bis 1960 produziert. Insgesamt wurden in Kowrow zwischen 1946 und 1960 über 950.000 direkter RT-Abkömmlinge hergestellt. Ab 1960 werden in Kowrow nur 175-er produziert, deren Konstruktion sich immer noch auf die Grundlagen der DKW-Zweitakterschule stützt. Nur in den letzten Jahren zeigt sich bei den Kowrower Motorradherstellern ein Trend zur Abweichung von der veralteten Bauweise der Einfach-Zweitakter. Aber es scheint, dass die DKW-Nachfahren noch einige Zeit in Russland als Brot-und-Butter-Fahrzeuge eine bestimmte Anfrage genießen werden.

Die RT-125 ist ohne Zweifel ein bedeutender Teil der Motorradgeschichte der Welt. Aber die DKW-Geschichte in Russland ist nicht von den Leichtkrafträdern geprägt. Der Ruhm der deutschen Maschine, die Russland erobert hat, gehört einem ganz anderen DKW-Modell – der NZ-350! Dieses Motorrad und seine Nachkommen spielen in der russischen Motorradgeschichte eine Rolle, die nur mit der von Harley-Davidson in Amerika vergleichbar ist. Die IZH-Planeta, das meistverbreitete Motorrad in Russland, das nicht nur ein Fahrzeug, sondern schon ein Teil der russischen Volkskultur geworden ist, ist eine Entwicklung der Mittelklasse-Maschine von DKW des Jahres 1937! Übrigens kennt man in Westeuropa von den russischen Motorrädern gewöhnlich nur die Ural und Dnepr. Aber im Vergleich mit den Produktionsstückzahlen und der Produktionsqualität der Ischewsker Motorradwerke sind die BMW-Bastarde eigentlich der schlechteste Beispiel des russischen Motorradbaus.

Die Geschichte der IZH-Planeta beginnt folgends: Die ganze Produktionsanlage für die NZ-350 in Zschopau wurde 1946 demontiert und nach Ischewsk transportiert, wo die schon seit 1929 bestehende Motorradfabrik aus den Ruinen gehoben werden sollte. Und so entstand im Jahre 1947 die IZH-350, eine Kopie der DKW NZ-350, die über die nachfolgenden 50 Jahre evolutionierend, glänzend die Richtigkeit des DKW-Zweitakterkonzepts bewiesen hat. Die vorbildliche Einfachheit, Zuverlässigkeit und Haltbarkeit des 350-er Einzylinder-Zweitakters ist in der russischen Volkssprache oft mit denen der Kalaschnikow-Sturmgewehre (die auch in Ischewsk produziert sind) verglichen. Die IZH-350 mit Starrahmen aus gepressten Stahlprofilen und Trapezgabel wurde bis 1951 produziert. Dann kam das Modell IZH-49, mit Teleskopgabel vorn und Geradewegfederung hinten, das sich bis 1956 im Programm hielt. Dieses legendäre Modell ist oft bis heute, und nicht nur bei Oldtimer-Spezialisten ständig im Einsatz, so zuverlässig ist es. Im Jahre 1956 wurde ein komplett neues Fahrwerk (Modell IZH-56) in Serie gelassen: ein Rohrrahmen mit doppeltem Unterzug und Federbeinschwinge, der bis heute an IZH-Motorrädern verwendet wird. Nach der Einführung vom neuen 350-er Zweizylindermotor war die Geschichte der Singles keineswegs beendet. Neben der schnelleren “Jupiter”-Zweizylinder hatten die drehmomentorientierten Einzylindermodelle, die den Namen “Planeta” tragen, immer einen Marktanteil, meistens am Lande und meistens mit Seitenwagen. Die Produktionsmenge betrug in den besten Zeiten bis 400.000 Stück pro Jahr. Alle Modelle bis 1985 (es waren ihrer über die ganze Dauer nur vier) hatten die gleiche Motorkonstruktion, langhubig, mit zwei Auspuffschlitzen und zwei Auspuffanlagen. Nur die Verdichtung und die Form der Kanäle im Zylinder änderten sich, zugunsten einer besseren Leistung. Kupplung, Primärantrieb und Vierganggetriebe (ausgenommen die Gangübersetzungen) bleiben schon 50 Jahre unverändert. Erst 1985 hat man dem Motor ins Innere gegriffen: das Modell Planeta-5 hat nur einen Auspuff, leistet 22 PS und hat eine noch bessere Drehmomentcharakteristik als die Vorfahren. Geänderte Kupplung, elektronische Zündanlage und Getrenntschmierung, sowie Alu-Räder und Scheibenbrensen lassen jedoch die wahre Identität des alten guten DKW-Zweitakters nicht verleugnen. Veraltet ist es ja schon, nach den Ansichten der heutigen verwöhnten Motorradkenner. Aber für die russischen Verhältnisse, Niveau der Produktionstechnologie, Straßenqualität, Benzin- und Ölqualität, Serviceniveau usw., bleibt die Planeta das einzige Motorrad, bei dem man ohne großen Aufwand und ohne ständige Sorgen um Wartung, Ersatzteile und (sehr wichtig!) Diebstahlgefahr, sich Freude am Motorradfahren sichern kann.

Ich hoffe dass Sie diese Information nicht uninteressant finden und mir meine Kritik und mein Deutsch verzeihen. Ich werde versuchen, noch einige Fotos und genauere Modell-Liste aufzutreiben, um die Geschichte der russischen DKW‘s weiter zu illustrieren.

Mit freundlichsten Grüßen

Juri Szadsky, Krasnodar, Russland